Algenöl, Leinöl oder Fischöl – was braucht mein Hund wirklich?

Leinöl, Fischöl, Algenöl – was braucht dein Hund wirklich? Und warum eine bekannte Institution mit 445.000 Aufrufen auf ein Video eine Studie völlig falsch erklärt hat, erfährst du hier auch.


Von Dr. Jessica Farger
3 Min. Lesezeit

Algenöl, Leinöl oder Fischöl – was braucht mein Hund wirklich?

Ich hab Beef mit Stiftung Warentest. Okay, das ist vielleicht ein bisschen dramatisch formuliert. Aber es stimmt so ungefähr.

Vor einigen Monaten veröffentlichte Stiftung Warentest ein Reel auf Instagram mit der Überschrift: "Neue Studie: Leinöl schlägt Lachs in Sachen Herzgesundheit!"

445.000 Aufrufe. Über 10.000 Likes. Über 13.000 Mal geteilt. Und das Problem: Die Studie hat das nie gezeigt.

Ich erkläre dir, was wirklich dahintersteckt und was dein Hund tatsächlich braucht.

Was sind Omega-3-Fettsäuren überhaupt?

Omega-3-Fettsäuren sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Wir müssen sie über die Nahrung zuführen.

Es gibt drei, die für uns und unsere Hunde relevant sind:

ALA (Alpha-Linolensäure): Die pflanzliche Omega-3-Fettsäure. Kommt in Leinöl, Hanföl und anderen pflanzlichen Quellen vor. ALA ist eine essenzielle Fettsäure – das bedeutet: wir müssen sie zuführen.

EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure): Die langkettigen marinen Omega-3-Fettsäuren. Sie kommen hauptsächlich in Fisch und Algen vor. Diese beiden sind die funktionell relevanten Fettsäuren – die, die im Körper tatsächlich entzündungshemmend, herzschützend und neuroprotektiv wirken.

Das Problem mit der Studie und Stiftung Warentest

Die Studie, die Stiftung Warentest so dramatisch aufgemacht hat (Yan et al., 2025), untersuchte, ob Omega-3-Fettsäuren die Lebenserwartung herzkranker Patientinnen beeinflussen.

Das Ergebnis: Es wurde ein statistischer Zusammenhang mit der pflanzlichen ALA gefunden, nicht aber mit EPA und DHA.

Daraus machte Stiftung Warentest: "Leinöl schlägt Lachs!"

Das Problem: Die Studienteilnehmer:innen nahmen wahrscheinlich gar nicht genug EPA und DHA zu sich, um überhaupt einen Effekt messen zu können. Selbst die Gruppe mit der höchsten Omega-3-Aufnahme erreichte nur rund die Hälfte der empfohlenen Mindestdosis. Das schreiben übrigens die Autorinnen und Autoren selbst in der Diskussion ihrer Studie.

Hätte Stiftung Warentest über den Abstract hinausgelesen, hätte man das gemerkt.

Ich lass es dabei.

ALA ist wichtig – aber nicht das Entscheidende

Jetzt denkst du vielleicht: Okay, aber ALA ist doch trotzdem gut, oder?

Ja. ALA ist eine essenzielle Fettsäure. Wir und unsere Hunde brauchen sie.

Und: Der Körper kann ALA theoretisch in EPA und DHA umwandeln. Theoretisch.

Die Realität ist: Bei dieser Umwandlung gehen erhebliche Mengen verloren. Die Umwandlungsrate ist gering – je nach Quelle werden nur wenige Prozent tatsächlich zu EPA und DHA.

Das bedeutet: Leinöl allein reicht nicht, um eine ausreichende Versorgung mit EPA und DHA sicherzustellen.

Warum Hunde regelmäßig unterversorgt sind

In den meisten handelsüblichen Fertigfuttern ist EPA und DHA kaum enthalten – oder in so geringen Mengen, dass sie keine relevante Wirkung haben. Warum? Weil die Fettsäuren teuer sind, oxidationsempfindlich sind und den Produktionsprozess oft nicht überleben.

Aktuelle Übersichtsarbeiten und tierernährungsphysiologische Studien empfehlen für Hunde eine tägliche Zufuhr von 50–100 mg EPA und DHA pro Kilogramm Körpergewicht – präventiv, und bis zu 200 mg/kg bei therapeutischem Einsatz (zum Beispiel bei Hautproblemen, Gelenkerkrankungen oder Entzündungen).

Für einen 20 kg Hund wären das also mindestens 1.000–2.000 mg täglich.

Das Mogelpackungen-Problem

Hier wird es interessant. Denn nicht jedes Öl, das "reich an Omega-3" verspricht, hält dieses Versprechen.

Ein Beispiel: Ein Futteröl mit 10 % Algenöl-Anteil. Klingt nach Alge. Klingt nach Omega-3.

Nur reicht das bei weitem nicht.

Um damit die empfohlene Tagesdosis für einen 20 kg Hund zu erreichen, bräuchtest du 18 ml täglich. Und das nur, wenn das enthaltene Algenöl hochkonzentriert wäre.

Ein hochwertiges Algenöl mit 75 % Algenöl-Anteil und nachgewiesener EPA/DHA-Konzentration reicht für denselben Hund mit 2,7 ml täglich aus.

Was auf den ersten Blick wie ein Schnäppchen wirkt, entpuppt sich beim Nachrechnen als teurer und ineffektiver.

Was ist mit Fischöl?

Fischöl ist eine gute Quelle für EPA und DHA – das stimmt. Allerdings gibt es Nachteile, die ich nicht verschweigen möchte:

Tierwohl:  Wenn du auf Lachsöl zurückgreifst, solltest du wissen, dass dein Öl sehr wahrscheinlich aus Zuchtfarmen stammt. Hier herrschen Bedingungen, die an eine Massentierhaltung erinnern.

Schadstoffbelastung: Fische reichern Schwermetalle und andere Schadstoffe im Körper an. Wenn also Fischöl, dann mit Laborbefunden. 


💡 Was du daraus mitnehmen kannst

ALA (aus Leinöl) ist essentiell und gehört in eine ausgewogene Ernährung – aber sie ersetzt EPA und DHA nicht.

Die funktionell wichtigsten Omega-3-Fettsäuren für deinen Hund sind EPA und DHA.

Achte bei Omega-3-Ölen auf den tatsächlichen Algenöl- oder Fischöl-Anteil und den EPA/DHA-Gehalt pro Milliliter. Nicht auf bunte Verpackungen und vollmundige Versprechen.

Und lies bei Stiftung Warentest vielleicht mal mehr als die Schlagzeile.


 



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