Fellwechsel beim Hund: Welche Ergänzungen helfen und was Studien zeigen
Bierhefe, Omega-3, Ei – können sie den Fellwechsel beim Hund wirklich beschleunigen? Die ehrliche Antwort aus der Studienlage.
H aare. Überall Haare. Auf dem Sofa, auf der Kleidung und der Staubsaugerroboter läuft langsam heiß.
Wenn dein Hund mitten im Fellwechsel steckt, stellt sich irgendwann zwangsläufig die Frage: Kann ich den Fellwechsel beim Hund beschleunigen?
Vielleicht mit Bierhefe? Omega-3? Ei? Ein spezielles Fellwechsel-Pulver? Die kurze und etwas unbefriedigende Antwort lautet: Wir wissen es nicht.
Ob bestimmte Futtermittel oder Zusätze den natürlichen Fellwechsel eines gesunden Hundes tatsächlich verkürzen können, wurde bislang nicht gezielt untersucht.
Was wir aber wissen: Während dein Hund sein altes Fell großzügig über deine gesamte Wohnung verteilt, muss sein Körper gleichzeitig neues Fell produzieren. Und wie ein solides Haus Beton braucht, braucht auch ein feines Haar gewisse Bausteine.

Was passiert beim Fellwechsel eigentlich?
Bei manchen Hunden scheint der Fellwechsel ungefähr zwölf Monate im Jahr zu dauern. Bei anderen lässt sich tatsächlich eine Saison erkennen.
Dass der Haarzyklus saisonalen Einflüssen unterliegen kann, wurde auch beim Hund untersucht. Bei Labrador Retrievern und Boxern zeigte sich beispielsweise ein Zusammenhang mit Umgebungstemperatur und Tageslänge. Beim Schnauzer war dieses Muster weniger deutlich.
Hundehaare durchlaufen dabei einen natürlichen Zyklus. Auf Phasen des Wachstums folgen Ruhephasen und irgendwann wird das alte Haar abgestoßen. Und das braucht Zeit. Einfach mit einem Löffel Bierhefe den Turbo einzuschalten, dürfte also schwierig werden.
Was braucht dein Hund beim Fellwechsel?
Haare bestehen überwiegend aus Keratin und Keratin ist ein Protein.
Der Körper braucht für neues Fell deshalb unter anderem Aminosäuren. Dazu kommen Fettsäuren, Vitamine und Spurenelemente, die für Haut, Stoffwechsel und Haarfollikel wichtig sind.
Vielleicht ist die spannendere Frage während des Fellwechsels deshalb gar nicht:„Wie bekomme ich das alte Fell schneller aus meinem Hund?"
Sondern:„Was braucht sein Körper, um gesundes neues Fell aufzubauen?"
Und da wird die Ernährung tatsächlich interessant.

Omega-3 beim Fellwechsel
Omega-3 gehört zu den Klassikern für Haut und Fell. Und das lässt sich auch physiologisch gut erklären: Die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA können in Zellmembranen eingebaut werden und beeinflussen damit deren Fettsäurezusammensetzung. Und, dass sich das auf die Fellqualität auswirken kann, wurde auch gezeigt.
In einer randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie verbesserte sich die Fellqualität von Hunden, die EPA und DHA erhielten. Gleichzeitig veränderten sich die Fettsäurezusammensetzung und der Lipidgehalt der Haare. Auch eine weitere Untersuchung mit gesunden Hunden fand Verbesserungen der Haut- und Fellbewertung.
Spannend ist Omega-3 aber nicht nur für schönes Fell: Auch bei Hunden mit atopischer Dermatitis, einer chronisch-entzündlichen Hauterkrankung, konnten Studien positive Effekte auf die Hautbeschwerden zeigen.
Was wir also tatsächlich sagen können: Omega-3-Fettsäuren können Haut und Fellqualität unterstützen.
Und meine ganz persönliche Erfahrung? Seit Flóki täglich Algenöl bekommt, ist sein Fell weich und glänzend wie nie.
Bierhefe beim Fellwechsel – sinnvoll oder Mythos?
Kaum ein Fellwechsel ohne den Tipp: Füttere Bierhefe.
Und ganz aus der Luft gegriffen ist das nicht.
Bierhefe liefert verschiedene B-Vitamine, darunter B1, B2, B3, B5, B6, Folat und Biotin.
B-Vitamine sind an zahlreichen Prozessen im Energie-, Protein- und Zellstoffwechsel beteiligt. Eine ausreichende Versorgung gehört damit auch zu den Voraussetzungen für normale Haut und Haare. Dass ein Hund während des Fellwechsels einen erhöhten Bedarf haben könnte, klingt durchaus logisch, gezeigt wurde das bislang aber nicht.
Kann Bierhefe im Napf Schaden?
Die gute Nachricht: B-Vitamine sind überwiegend wasserlöslich. Überschüssige Mengen werden vom Körper im Allgemeinen deutlich leichter ausgeschieden als beispielsweise fettlösliche Vitamine und besitzen deshalb ein geringes Risiko für eine Überversorgung.
Wenn du Bierhefe während des Fellwechsels einsetzen möchtest, spricht daher bei einem gesunden Hund grundsätzlich nichts dagegen.
Nach dem Motto „viel hilft viel“ würde ich sie trotzdem nicht füttern. Denn auch bei wasserlöslichen Vitaminen ist eine grenzenlose Überversorgung nicht sinnvoll und dauerhaft sollte bei einem bereits bedarfsdeckenden Alleinfuttermittel ohnehin immer die gesamte Ration im Blick bleiben.
Protein beim Fellwechsel: der unterschätzte Baustoff
Bei all den speziellen Haut-und-Fell-Nährstoffen gerät ausgerechnet das Naheliegendste schnell in Vergessenheit: Protein.
Haare bestehen größtenteils aus Keratin und Keratin wiederum aus Aminosäuren.Besonders interessant sind dabei die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein, die für Aufbau und Stabilität von Keratin eine wichtige Rolle spielen.
Zusätzliches Protein braucht ein bedarfsdeckend ernährter Hund deshalb nicht automatisch. Aber eine ausreichende Versorgung mit Protein und essentiellen Aminosäuren ist eine ziemlich grundlegende Voraussetzung dafür, dass der Körper überhaupt neues Haar bauen kann. Wer pflanzlich ergänzen möchte, kann beispielsweise auf Soja oder Erbsenprotein zurückgreifen.

Und was ist mit dem berühmten Ei fürs Fell?
Ei liefert hochwertiges Protein und damit Aminosäuren. Eigelb bringt zusätzlich verschiedene Mikronährstoffe mit, darunter Biotin.
Es liefert also gleich mehrere Nährstoffe, die beim Aufbau neuer Haare grundsätzlich interessant sind.
Bei regelmäßigem rohem Ei gibt es allerdings eine Besonderheit: Rohes Eiklar enthält Avidin, das Biotin bindet und dessen Verfügbarkeit reduzieren kann. Durch Erhitzen wird Avidin denaturiert.
Zink und Kupfer: Hier wurde sogar Haarwachstum gemessen
In einer aktuellen Studie haben Forschenden Haarwachstum und ausgefallene Haarmenge von Hunden gemessen.
Hunde, die bestimmte Spurenelemente erhielten, darunter Zink und Kupfer, zeigten ein stärkeres Haarwachstum als die Kontrollgruppe. In einer der Supplement-Gruppe wurde nach drei Monaten außerdem weniger ausgefallenes Haar gemessen.
Natürlicherweise findest du Zink und Kupfer in rotem Fleisch und Leber, aber auch reichlich in pflanzlichen Lebensmitteln wie Linsen und Kichererbsen. Pflanzen bringen jedoch natürlicherweise Phytine (Phytate) mit. Diese Antinährstoffe binden Mineralstoffe im Magen-Darm-Trakt und können deren Aufnahme hemmen.
Die gute Nachricht: Durch Einweichen (12 bis 24 h, Einweichwasser weggießen) und anschließendes weiches Kochen – werden die Phytate abgebaut. Zink und Kupfer werden beim Kochen nicht zerstört.
Auf hochdosierte Zink- und Kupferpräparate solltest du übrigens lieber verzichten. Gerade Mineralstoffe sollten bedarfsgerecht versorgt und nicht auf Verdacht hoch dosiert werden.

Also: Was landet während des Fellwechsels im Napf?
Haare und Stoffwechsel benötigen Baustoffe. Dazu gehört insbesondere eine bedarfsdeckende Protein- und Aminosäureversorgung, essentielle Fettsäuren sowie relevante Vitamine und Spurenelemente.
Omega-3-Öl, Bierhefe, Ei oder geeignete Proteinquellen können dabei je nach Gesamtration sinnvolle Bausteine sein. Bestimmte Samen und Kerne, beziehungsweise dessen Öle können zusätzlich Spurenelemente liefern.
Kann ich den Fellwechsel nun beschleunigen?
Vielleicht. Wir wissen es schlicht nicht.
Für Omega-3 beziehungsweise mehrfach ungesättigte Fettsäuren gibt es beim Hund direkte Daten zur Haut- und Fellqualität. Für bestimmte Spurenelementformulierungen gibt es sogar Daten zu Haarwachstum und ausgefallener Haarmenge.
Was bislang fehlt, ist die Studie, die die eigentliche Frage beantwortet: Ist ein gesunder Hund durch eine bestimmte Fütterung tatsächlich schneller mit seinem saisonalen Fellwechsel durch?
Bis dahin können wir nicht seriös versprechen, dass Bierhefe, Omega-3 oder irgendein anderes Supplement dafür sorgt, dass dein Staubsauger früher Urlaub bekommt.
Was wir sehr wohl tun können: Dem Körper die Nährstoffe geben, die er braucht, um gesundes neues Fell zu produzieren.
Und vielleicht ist das sowieso das sinnvollere Ziel.