Übergewicht beim Hund: Wann ist mein Hund zu dick?
Laut einer Studie unterschätzen 38 % aller Halter*innen das Gewicht ihrer Hunde. Was beim Menschen kaum auffällt, entspricht beim Jack Russell fast 10 kg extra. Was das bedeutet, wie du es erkennst und was du sofort tun kannst – hier.
D en Gang auf die Waage kennen wir alle. Ein Kilo mehr – halb so wild. Bei deinem Hund solltest du das anders sehen. Übergewicht beim Hund kann die Gesundheit ernsthaft beeinflussen: Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Gelenkprobleme können dadurch begünstigt werden.
Warum wir das Gewicht unserer Hunde oft falsch einschätzen
Eine Studie der Universität Glasgow aus dem Jahr 2017 untersuchte, wie gut HundehalterInnen das Gewicht ihrer Hunde einschätzen können. Das Ergebnis: Nur etwa die Hälfte der 174 Befragten schätzte den Body Condition Score korrekt ein. 38% unterschätzten das tatsächliche Gewicht ihres Hundes.
💡 Was ist der Body Condition Score? Der Body Condition Score (BCS) ist eine Skala von 1 (stark untergewichtig) bis 9 (stark übergewichtig). Entscheidend sind nicht die Kilos auf der Waage, sondern körperliche Merkmale wie Rippenbogen, Hüftknochen und eine erkennbare Taille.
Ein Kilo Übergewicht beim Hund ist oft nicht "nur" ein Kilo Übergewicht
Je kleiner dein Hund, desto stärker fällt ein Kilogramm wortwörtlich ins Gewicht.
Hier ein Beispiel:
Ein Labrador mit einem Idealgewicht von 30 kg – ein Kilo mehr entspricht 3% seines Körpergewichts. Beim Menschen mit 70 kg wären das gerade mal 2 kg extra.
Ein Jack Russell Terrier mit einem Idealgewicht von 7 kg – ein Kilo mehr entspricht 14% seines Körpergewichts. Beim Menschen wären das fast 10 kg mehr.

Von "ist ja nur ein Kilo" sind wir dann weit entfernt.
⁉️ Schnelltest: Ist mein Hund zu dick?Ohne Waage kannst du das mit deinen Händen und einem kritischen Blick testen:
Fehlt einer dieser Punkte, dann hat dein Hund möglicherweise Übergewicht. |
Übergewicht beim Hund - das sind die Ursachen
Selten kommt eine Ursache allein zum Tragen. Meist greifen mehrere Faktoren ineinander und manchmal sind wir auch selbst alles andere als unschuldig.
Schließlich ist es gar nicht so leicht, diesen schmachtenden Hundeaugen zu widerstehen, wenn man selbst auf der Couch sitzt und Chips in sich rein schaufelt.
Aber nicht immer sind es alleine unsere Angewohnheiten.
Bestimmte Rassen sind aber durchaus anfälliger für ein paar Speckrollen, darunter Labrador, Beagle, Dackel, Golden Retriever und Cocker Spaniel.
Weitere häufige Ursachen:
- Kastration – veränderte Hormonsituation, besonders bei Rüden
- Darmflora – eine veränderte Zusammensetzung der Darmbakterien kann mit Übergewicht zusammenhängen
- Hormonelle Erkrankungen – besonders bei schneller Gewichtszunahme solltest du eine Tierärztin aufsuchen
- Zu viel Energie – dein Hund bekommt schlicht mehr, als er verbraucht

❓ Was kannst du sofort tun? - Sofortmaßnahmen:
Klopf der Nachbarin einmal ordentlich auf die Finger, wenn sie deinem Hund im Vorbeigehen mal wieder schnell ein Leckerli ins Maul schieben möchte.
Leckerlis sind oft kleine Kalorienbomben – hier lässt sich einfach und effektiv ansetzen. Vielleicht hast du ja auch einen Nimmersatt zu Hause, der Karotten und Gurken genauso inhaliert wie ein Stück Büffelwurst. Alternativ gibt es auch kalorienreduzierte Leckereien, auf die du zurückgreifen kannst,
Drei mögliche Maßnahmen aus dem Shop:
Gemüseflocken – kalorienarm, sättigend, gut verträglich. Einfach einweichen und zur Ration geben. Perfekt um das Futtervolumen zu erhöhen, ohne die wesentlich Kalorienzufuhr zu steigern. Gleichzeitig eine gute Alternative zu kalorienreichen Leckerlis beim Training. → Zu den Gemüseflocken
Zellulose – kalorienfreier Ballaststoff der im Verdauungstrakt aufquillt und für ein längeres Sättigungsgefühl sorgt. Ideal für Hunde, die trotz reduzierter Futtermenge ständig hungrig wirken. → Zur Zellulose
Flohsamenschalen – binden ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Wasser und quellen im Darm stark auf. Ähnlich wie Zellulose erhöhen sie das Futtervolumen ohne Kalorien zuzuführen – zusätzlich unterstützen sie die Verdauung und helfen bei weichem Kot. → Zu den Flohsamenschalen
Quelle: Yam, Philippa S., et al. "Inaccurate assessment of canine body condition score, bodyweight, and pet food labels: a potential cause of inaccurate feeding." Veterinary Sciences 4.2 (2017): 30.